8(3), §2 Presentation Conference paper
Von der Hosentasche in den Wissensgraph: Smartphone-3D als FAIR Digital Object in der SquirrelBase
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Abstract
Die 3D-Erfassung von Kulturgütern, Kunstwerken und vergänglichen Strukturen mit Smartphones eröffnet neue Perspektiven für partizipative digitale Dokumentation. Durch Structure-from-Motion-Verfahren (SfM) in mobilen Anwendungen wie der KIRI-Engine-App können Citizen Scientists Objekte ortsunabhängig und kostengünstig digitalisieren – von historischen Denkmälern über moderne Kunstwerke bis hin zu temporären Phänomenen wie Schnee- oder Holzskulpturen. Damit wird die digitale Erfassung zu einer alltagstauglichen Methode, um Objekte „zum Mitnehmen“ zu schaffen, die weit über das private Erinnerungsfoto hinausgehen.
Doch die reine Erfassung genügt nicht: Um 3D-Modelle nachhaltig nutzbar zu machen, müssen sie FAIR (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable) sein. Hier setzt die SquirrelBase an – eine Wikibase-Instanz, die als semantische Metadaten- und Referenzplattform fungiert. Sie erweitert das Konzept der FAIR Digital Objects (FDOs) um eine leichtgewichtige, community-getriebene Lösung für Citizen Science und Forschung. Jedes 3D-Objekt erhält einen persistenten Identifier (Q-ID), kann mit externen Plattformen wie Sketchfab, 3DHOP, Wikidata oder OpenStreetMap verknüpft werden und wird damit Teil eines föderierten Wissensgraphen.
Die SquirrelBase speichert neben Basisinformationen (Erfassungsdatum, Methode, Software, Kamera) auch semantisch strukturierte Metadaten zu Georeferenz, Material, Objektkategorie, Urheber, Lizenz und Provenienz. Durch diese Modellierung lassen sich die 3D-Modelle maschinenlesbar beschreiben und in GIS- und LOD-Workflows integrieren – etwa über das SPARQLing Unicorn QGIS Plugin. Somit wird aus einem Smartphone-Scan ein vernetztes Forschungsobjekt, das interdisziplinär analysierbar und langfristig auffindbar ist.
Beispiele reichen von klassischen Kulturerbe-Objekten (z. B. Grenzsteine, Brunnen, Skulpturen) über urbane Kunstwerke bis hin zu ephemeren Strukturen in den Dolomiten. Gerade bei vergänglichen Objekten zeigt sich das Potenzial: Durch die Kombination von SfM-Erfassung, FAIR-Metadaten und semantischer Einbindung bleiben auch flüchtige Werke als digitale Erinnerungen erhalten und wissenschaftlich zitierbar.
Der Beitrag diskutiert zudem Herausforderungen der Datenqualität, Standardisierung und Langzeitarchivierung sowie mögliche Synergien mit Forschungsinfrastrukturen wie NFDI4Objects. Das vorgestellte Konzept zeigt, wie Low-Cost-Technologien, Open-Science-Prinzipien und semantische Modellierung zusammenwirken können, um eine nachhaltige, partizipative 3D-Dokumentation zu schaffen – offen, interoperabel und zukunftssicher.