8(3), §1 Presentation Conference paper

Cultural Heritage als FAIR Digital Object? 3D-Erfassung und semantische Vernetzung von Kulturerbe in Irland und Schottland

How to cite

Thiery, F., Kasten, M. N., Distel, A. K., & Thiery, P. (2026). Cultural Heritage als FAIR Digital Object? 3D-Erfassung und semantische Vernetzung von Kulturerbe in Irland und Schottland. Squirrel Papers, 8(3), §1. https://doi.org/10.5281/zenodo.18726192

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Abstract

Die dreidimensionale Erfassung und digitale Dokumentation frühmittelalterlicher Inschriften-, Skulptur- und Kulturobjekte eröffnet neue Perspektiven für Forschung, Vermittlung und Erhaltung. Am Beispiel der irischen und schottischen Ogham-Steine, der Govan-Artefakte in Glasgow sowie der irischen Holy Wells werden unterschiedliche Aufnahmemethoden vorgestellt und verglichen – von citizen-science-basierten Structure-from-Motion-Erfassungen (z. B. mit der KIRI-Engine-App auf dem Smartphone) über klassische Photogrammetrie bis hin zu hochauflösenden Streifenlichtprojektionsscans professioneller Projekte wie Ogham in 3D und OG(H)AM. Ergänzend werden 3D-Modelle aus öffentlichen Plattformen (z. B. Sketchfab) sowie von Citizen Scientists systematisch dokumentierte Holy Wells einbezogen, die das Potenzial partizipativer Datenerhebung verdeutlichen.

Im Zentrum steht die Frage, wie diese heterogenen 3D-Modelle – mit unterschiedlichen Sensoriken, Granularitäten und Repositorien – als FAIR Digital Objects (FDOs) beschrieben, identifiziert und in ein föderiertes semantisches Wissensökosystem eingebunden werden können. Vorgestellt werden Metadaten- und Provenienzmodelle auf Basis von RDF/PROV-O und des Object Core Metadata Profile (OCMDP), die technische Erfassungsparameter (Methode, Auflösung, Software), Qualität und Bearbeitung, rechtliche Rahmenbedingungen (Lizenz, Rechte) sowie räumliche und kulturelle Kontextinformationen (Ort, Toponym, Denkmalkategorie, Identifikatoren) erfassen.

Der Beitrag zeigt, wie sich aus verteilten Quellen – etwa Sketchfab, Wikidata/Wikibase, institutionellen Datenbanken und Triplestores – ein federated Knowledge Graph bilden lässt. Durch Ontologie-Alignment und persistente Identifikatoren werden 3D-Daten zu nachnutzbaren Forschungsobjekten, die interdisziplinär ausgewertet werden können, etwa für paläographische Analysen (z. B. Groove Analysis an Ogham- und Govan-Steinen) oder räumliche Studien zu Holy-Wells-Netzwerken und Kulturlandschaften.

Ein besonderer Fokus liegt auf Citizen Science: Freiwillige erweitern den 3D-Korpus durch smartphonebasierte SfM-Modelle erheblich. Über FAIR-konforme Metadaten, Provenienzketten und Qualitätssicherung können diese Beiträge gleichwertig in wissenschaftliche Infrastrukturen integriert werden, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren.

Damit verbindet der Vortrag 3D-Erfassung, semantische Modellierung und partizipative Datenerhebung zu einem integrativen Ansatz für nachhaltiges digitales Kulturerbe – und zeigt, wie selbst heterogene 3D-Daten (Ogham, Govan, Holy Wells) interoperabel, offen und zukunftsfähig in Forschung und Vermittlung eingebunden werden können.